Sonntag, 6. Juni 2010

U1

ToiToi - "das Original"

Wir tun jetzt mal so, als wäre noch nicht Sonntag und es würde Sinn ergeben, jetzt noch etwas über das Muse-Konzert zu schreiben. (Ich kam einfach noch nicht dazu).

Alors. Am Mittwoch hatte ja die Stunde der Klugscheisser geschlagen, für die man mal einen treffenden Namen erfinden sollte: Jene Leute, die immer jede Band schon vor zehn Jahren gesehen haben. Ich gehöre da ja auch gern dazu. Diesmal hab ich die Band erst vor neun Jahren* gesehen, zunächst am ominösen Festival SoundArena in Wohlen AG (Beweisfoto unten), dann im Fri-Son, damals noch mit JJ72 (und nicht als Vorband von Bush). So, und damit hätte ich mich wohl als Berichterstatterin erstmal qualifiziert (das ist doch der Zweck solcher Aussagen? Oder welcher sonst? Ich weiss nicht. Aber ich muss die einfach machen.)

Jedenfalls war ich schon ein bisserl skeptisch, als ich im Zug von Luzern nach Bern (andere, auch nette Geschichte) den Eindruck erhielt, es müsste wohl BEA sein oder so. Weil lauter Leute einstiegen, die voll wetterflexibel angezogen waren, sehr gern auch mit Umhängetaschen, so wie BEA-Besucher eben. Aber nö, das BEA-Publikum wollte ans Muse-Konzert. Viele Berner sollen ja auch hingegangen sein, weil: "wenn in Bern endlich mal was los ist". Was laut meinem Gspänli so ziemlich die schlimmste Begründung ist, um ein Konzert zu besuchen. Ich weiss nicht so recht. Irgendwie ist das ja schön, wenn die Masse okaye Musik hört. Aber vielleicht ist es auch ein Alarmsignal.

Wir nahmen dann mal ein Bier im Postfinance-Zelt vor dem Stadion (Ich sage Stade de Suisse!), und es war schon ein bisschen wie Festival. Nur dass der DJ Gölä-Lieder spielte. Und mir das irgendwie nicht so wirklich mit dem neuen Postfinance-Slogan zusammenpassen wollte ("Wir machen alle zu Musik-Experten.") Schon wieder: Alarmglöckchen.

Die Editors waren dann hübsch, aber Vorband zählt irgendwie nicht. Und als dann die drei schmächtigen Briten die Bühne betraten, war es viel zu hell. Meinem Gspänli zufolge müssen Veranstaltungen im Stade de Suisse um 22.30 fertig sein, und das ist ja jetzt wieder mal ein, Pardon, ganz beschissener Auswuchs des Kooperatismus. Dann sollen die Leute halt nicht in der Stadt wohnen, wenn sie nicht gern Lärm haben. Das ist meine sehr krude Meinung. Aber egal, auf jeden Fall kamen da so Fans auf die Bühne, die Demonstranten spielten, und mich nervte das ganz fürchterlich, weil Muse nun mal eine ganz und gar unpolitische Band ist, und dann mit so was zu kokettieren, wie mein schlaues Gspänli bemerkte, ist wirklich sehr opportunistisch.

Dann eben Konzert, schramm schramm, schön, wie die Musik klingt wie ab CD, Hut ab vor dem Mischer; das Bühnenbild auch sehr imposant, als wäre der Gurten-Rock-the-Block im Stade de Suisse gelandet; die Mannen reden nicht viel, auch okay, und auf den Bildschirmen gibts so "Wetten, dass...?"-mässige Überblender. Bisschen wie Schlager, das alles. Passend dazu verkaufen Frauen mit Bauchläden Prosecco-Cüpli. Und dann wirds dunkel, und ich: wohl im Zirkus gelandet. Erst diese warenlift-mässige Hebebühne mit SUVA-konformenen Geländern, am Schluss dann noch dieses UFO, aus dem eine Frau am Trapez rausfiel. Das Eventpublikum natürlich: WWWwwooooowwwwWWW!, ich eher: Ist irgendwie alles eine Spur zu gross für diese Band. Als wollte Muse U2 spielen. Und jetzt mein Lieblingssatz:

Im Fri-Son wäre das super gewesen.

Ja, der hatte damals noch rote Haare, und ich noch eine analog-Kamera, machte noch Fotos von den Bands und klebte die dann tatsächlich noch in ein Album ein. Jööh.


* Stimmt gar nicht, sagt mir Chouchoux, die Person mit dem besten Gedächtnis der Welt. Wir sahen die doch schon vor 10 Jahren, und zwar am Paléo Festival auf einer Mini-Bühne.

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